Herbstwind am Kanal ein windiger Spaziergang

Herbstwind am Kanal

Der Herbstwind am Kanal weht heftig, er zerrt an meiner Jacke. Ich gehe einen schmalen Weg am Kanal entlang.

Herbstwind am Kanal

Eine Böe versucht mich weiter zu schieben, schneller scheint sie zu sagen, gehe schneller. Meine Schritte wollen das gleiche Tempo weiter behalten, nicht schneller. Ich merke die Kraft des Windes in meinem Rücken. Mächtig ist er, irgendwie jedoch auch beschützend, wie eine große Hand, die mich leitet. Er treibt die Blätter vor mir her, überall ist Bewegung.

Ich gehe auf einen weichen Teppich aus nassem Laub. Selbst in der Luft schwirrt und flirrt es. Ein, zwei, drei ganz viele Blätter werden hoch aufgewirbelt, überholen mich, treiben um mich herum, wie im Tanz. Der Wind scheint der Choreograf zu sein. Einzelne Blätter bleiben an mir haften, verhangen sich in meinen Haare, bleiben an meiner Jacke und der Hose kleben. Geschenkte Schmuckstücke vom Wind.

Vom Wind geleitet gehe ich weiter. Das Laub auf der Bäumen und Büschen zeigt eine ganze Palette von Gelb-, Orange-, Rot- und Brauntönen.

Viele Beerensorten hängen noch in den Sträuchern.

Es sind verschiedene rote Sorten und Hagebutten.

Weiße „Knallerbsen“ sehe ich, als Kind hab ich sie gesammelt und zertreten, mit einem leisen pitsch, pischt sind sie geplatzt.

Erinnerungen kommen und gehen, auch sie werden von den Blättern mitgenommen und weiter geweht. Über mir segeln Vögel, Möwen mit heiseren Schreien spielen sie mit dem Wind. Sie steigen auf, lassen sich fallen, gleiten dahin. Es scheint als würden sie ihre Flügel kaum einsetzen. Mit lautem Geschrei fliegt eine kleine Gruppe Wildgänse noch höher, als die Möwen vorbei. Man hört ihren kraftvollen Flügelschlag, mit dem sie gegen den Wind fliegen.

Auf dem Kanal gleitet ruhig ein Schiff, es zieht das Wasser an. Das Laub an der Oberfläche des Wassers beginnt zu schwimmen und zieht an mir vorbei. Kleine Wellen schwappen ans Ufer. Hinter dem Schiff wirbelt und strudelt es, mehrere hohen Wellen werden an die angrenzenden Spundwände gespült und wieder zurück geworfen. Die Blätter verlieren sich, formieren sich neu, einige werden versinken, andere treiben weiter, neue kommen dazu.

Es ist wie im Leben, geht es mir durch den Kopf.

Auch diese Gedanken überlasse ich dem Herbstwind, er sie mitnimmt. Wohin auch immer.

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